Wissen Sie, dass…

Trommeln

…Trommeln bei Tinnitus hilft?
Afrikanisches Trommeln ist therapeutisch überaus wertvoll. Tinnitus-Betroffene profitieren von der praktischen Übung der Aufmerksamkeitslenkung. Sie richten ihre aktive Wahrnehmung weg vom lästigen Ohrgeräusch, hin zum Instrument und zum gemeinsamen Erlernen afrikanischer Rhythmen („Wenn ich trommle, kann ich mich auf nichts anderes konzentrieren. Meinen Tinnitus habe ich gar nicht mehr gehört.“). Mit der durch das Trommeln erzeugten Lautstärke hat dieser Effekt nichts zu tun. Man soll nicht einfach den Tinnitus übertönen, sondern gezielt seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes richten lernen. Des Weiteren dient die körperliche Aktivität der muskulären Lockerung im Oberkörper und reduziert innere und äußere Anspannung. Außerdem werden verschiedene Bereiche hinsichtlich der Konzentrations- sowie Koordinationsfähigkeit trainiert (Auge-Hand-Koordination, Verknüpfung der Hirnhälften durch Koordinieren beider Hände).

…Eigensinn nichts mit Egoismus zu tun hat?
Wer seine Bedürfnisse äußert und deutlich sagt, was er möchte und was er nicht möchte, wird schnell als egoistisch kritisiert. Eigensinn und Egoismus haben jedoch nichts miteinander zu tun. Der Psychologe Heinz Ryborz beschreibt einen egoistischen Menschen so: Dieser „ist überlegen auf Kosten anderer, setzt andere herab und erreicht sein Ziel durch Verletzung anderer. Für einen egoistischen Menschen ist es eine Katastrophe, wenn er seinen Willen nicht bekommt“. Ein eigensinniger Mensch setzt sich für seine Rechte und Interessen ein, aber in einer Art und Weise, die die Rechte anderer und deren Gefühle nicht verletzt. (Quelle: Psychologie Heute, 43.Jg.) Ist es nicht oft sogar so, dass man seine eigenen Bedürfnisse hinter die der anderen anstellt und sich selbst vernachlässigt? Wagen Sie doch einfach einmal ein gedankliches Experiment und ersetzen Sie den Begriff „Egoismus“ durch das Wort „Selbstfürsorge“. Schon dürfte ein anderer Eindruck entstehen! Fällt es mit dieser Haltung nicht gleich viel leichter, sich etwas Gutes zu tun?

…die meisten Therapien, die bei chronischem Tinnitus angeboten werden, nicht helfen?
In der 2015 überarbeiteten Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. werden u.a. folgende Therapieverfahren bei chronischem Tinnitus benannt:

  • HWS-Therapie
  • Kieferorthopädische Therapie
  • Medikamente, z.B. Gingko, Glutamatantagonisten
  • Nahrungsergänzungsmittel
  • Elektromagnetische Verfahren
  • Neuromodulation
  • Hyperbarer Sauerstoff
  • Akupunktur

Für alle diese Therapieverfahren gilt, dass aufgrund fehlender bzw. unzureichender Studien zur Wirksamkeit keine Empfehlung hinsichtlich einer Behandlung des chronischen Tinnitus ausgesprochen werden kann. Auch für die sog. „Tinnitus-Apps“ für Mobilgeräte (z.B. „Tinnitracks“) fehlen bislang aussagekräftige Studien, die die Wirksamkeit dieser Verfahren belegen würden.

…Geräuschvermeidung eine Geräuschüberempfindlichkeit verschlimmert?
Leidet man unter einer Geräuschüberempfindlichkeit, einer sog. Hyperakusis, ist die menschliche Reaktion der Geräuschvermeidung nachvollziehbar. Eine Vermeidung bestimmter Geräusche kann dabei heißen, dass man verschiedene geräuschvolle Situationen (z.B. Kino- oder Restaurantbesuch) meidet oder dass man seine Ohren ständig mit Gehörschutz („Ohropax“) schützt. Hier ist allerdings zu beachten, dass sich eine Hyperakusis durch ständiges bzw. sich steigerndes Vermeidungsverhalten verselbstständigen und damit verschlimmern kann. Natürlich dürfen Sie Ihre Ohren weiterhin vor extremen Lautstärken schützen. Im Alltag sollten Sie sich aber durch die Geräuschüberempfindlichkeit nicht einschränken lassen, sondern möglichst alles so machen wie bisher. Im IN-TI bieten wir Betroffenen im Rahmen der Tinnitus-Kompaktkur ein gezieltes Hyperakusistraining an.